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Großes Lob an: Die Tagesthemen!

Mit ihrem kürzlich eingeführten lustigen Flaggenfehlersuchspiel tragen die Tagesthemen sehr zur Volksaufklärung in heraldischen Fragen bei. Wer hätte denn hierzulange spontan sagen können, wieviele Streifen das Sternenbanner denn nun hat? Geschweige denn kurz ihre Bedeutung erläutern können! Gleiches gilt für die Sterne, zumal sich hierzulande, wie immer wieder festzustellen ist, hartnäckig das Gerücht hält, es wären 51 oder 52 Sterne. Vielleicht zählen die Deutschen ja Kanada und Mexiko mit, dabei sind diese Länder doch sehr un-amerikanisch.

Die Quizmaster bei den Tagesthemen haben übrigens völlig zu Recht beschlossen, mit der deutschen Fahne anzufangen. Wir schwenken rot-schwarz-goldene Banner und gröhlen “Brüh im Glanze”. War doch so? Oder nicht? — Oh! Blühen und schwarz-rot-gold? Nunja. Sind ja beides recht neue Symbole. Die waren ja nicht immer so…
Aber im ernst: Es sind uns durchaus (deutsche) Menschen persönlich bekannt, die vor der EM gefragt haben, wie denn nun die Farbabfolge ist. Man hätte ihnen auch ohne weiteres eine belgische Flagge in die Hand drücken können und sie hätten sich deutscher gefühlt, als je zuvor.

Der einzige Wehrmutstropfen beim Flaggenquiz: Dass diverse andere Medien (Bild, Spiegel-Online!!!) das schöne Spiel kaputt machen, indem sie immer schon vorher die Lösung verraten. Nur um ihr eigenes (völlig triviales) Flaggenquiz zu promoten! Da ist der ganze Rate-Spaß weg. Das ist nicht lustig!!!

– Bleibt uns nur noch einen schönen Vierten Juli zu wünschen! Vielleicht möchten die Anwesenden mit in die Nationalhymne einstimmen:
“Allons enfants de la patrie…”!

Armes Europa

Vorneweg: wir mögen Europa, wir finden, dass die Einigung des Kontinents notwendig ist und für die einzelnen Länder viele Vorteile bietet. Grade hier in der SaarLorLux-Region käme vermutlich kein geistig gesunder Mensch auf die Idee, irgendwelche Erfolge der EU wieder zurückdrehen zu wollen.

Dann kam der Verfassungsvertrag. Den Verfassungsvertrag haben die Franzosen und Niederländer in zwei Referenden abgeschmettert. Es herrschte eine europaweite Krise und die völlig Überraschung, dass es Europäer gibt, die es nicht immer toll finden, was man ihnen aus Brüssel vorwirft und allen ernstes “non!” sagen. Aber die Lösung kam umgehend: Bennenen wir das Ding doch von Verfassung um in Lissabon! Das klingt weniger absolut und die Franzosen müssen das widerspenstige Volk nicht fragen.

Trotzdem dumm gelaufen, denn es hat wohl jemand übersehen, dass die ebenso widerspenstigen Iren über alles, was mit Europa zu tun hat, abstimmen wollen. (In Irland wurde das Verfassungsvertragsreferendum dann übrigens abgesagt, vielleicht hätte man sich die Meinung des Volkes mal anhören sollen). Und die stimmen da dann ernsthaft gegen den neuen Entwurf!

Diesmal ist die Aufregung kleiner. Es waren ja nur die Iren, das sind weniger als die Franzosen und auf ihrer Insel können die ja auch gerne austreten, wenn sie nicht mehr wollen. Oder sie sollen nochmal abstimmen lassen, bis es ein “ja” gibt. — So haben wir den allgemeinen Tenor aufgenommen.

Das ist ein Demokratieverständnis, da kann es einem ganz anders werden. Die anfänglichen bedenken, gegen den Reformvertrag sind ja doch die gewesen, dass erstaunlich viele Kompetenzen an die EU abgetreten werden und dass die Brüsseler nach Gutdünken und ohne Rücksicht in die nationale Politik reinreden werden. Und was tut die EU um diese Bedenken auszuräumen? — Sie spricht den Iren im wesentlichen ihr Gewicht im Ratifizierungsprozess ab und bevormundet mal eben 4,2 Millionen Menschen. Irgendwie klingt das sehr nach “in die nationale Politik ohne Rücksicht reinreden”.
Alleine schon die Idee, nochmal abstimmen zu lassen ist eine richtig abstruse Idee. Sowas kann man ja nach einigen Jahren machen, aber quasi direkt, weil einem das Ergebnis nicht gefällt eine neue Abstimmung ansetzen? Das darf als zweifelhafte Methode angesehen werden. Demokratie nach Tagesstimmung…
Auch das subtil mitschwingende Argument, dass die Iren ja Jahrelang EU-Gelder auf die grüne Insel gepumpt bekommen haben und deswegen ja ein bisschen dankbar (und gefügig) sein könnten, ist eine riesige Unverschämtheit. Zumal wenn man sich vor Augen führt, dass Irland ja der einzige Staat ist, der per Volksentscheid abstimmen lässt. Hier darf man vielleicht mal die Frage stellen, wieviele Leute der vermutlich mehrheitlich deutschen Leserschaft denn mal versucht haben, den Vertrag zu lesen, den ihre parlamentarische Vertretung demnächst absegnen will und ob es denn sinnvoll ist, bei einem Vertragswerk, das man nicht versteht einfach mal munter ins Blaue mit “ja” zu stimmen! (Wir selbst haben übrigens die Lektüre entnervt auf Seite 32 aufgegeben, wir sind aber auch keine Europarechtler). Der Punkt ist, dass Regierungschefs von ahnungslosen Völkern etwas vorsichtig sein sollten, den Iren vorzuwerfen, alles kaputtgemacht zu haben. Nur wer völlig sicher ist, dass seine Bürger mit einem klaren “ja” stimmen würden, sollte irgendwelche Anschuldigungen an die irische Regierung vorbringen dürfen. Jean-Claude Juncker vielleicht…aber auch nur vielleicht!
Statt blödsinniger Anschuldigungen und hektischem Aktionismus wäre es vielleicht sinnvoll, sich darauf zu konzentrieren, was die EU im Moment wirklich braucht. Vielleicht ist das mal kein weiterer Vertrag, sondern innere Ruhe und Zeit für z.B. den Intergrationsprozess nach der Osterweiterung. Abgeschlossen scheint der nicht.

Und zum Schluss: Es ist vielleicht etwas weit her geholt, aber von oben zu beschließen, was gut ist für die Menschen und ihre in Wahlen oder Abstimmungen manifestierte Meinung zu ignorieren, das kennen wir doch wiedermal von irgendwoher!? Ach ja richtig, Mugabe! Vielleicht möchte ja Simbabwe der EU beiterten? Die hätten dem Reformvertrag zugestimmt, ganz sicher! Endlich mal folgsame Demokraten…

Die Saarbrücker Citykinos und “die Blaue”

Wir sind stolzer Besitzer einer blauen Karte der SaarLorLux-Energie. Eine Art Paybackkarte auf lokalem Niveau. Mit sagenhaften Rabatten beispielsweise bei Burger King, was der Hauptgrund war, sich diese Karte zu holen. Obwohl wir normalerweise wenig von derartigen Bonusprogrammen halten.

Und dann lief diese Woche der neue Sex-and-the-City-Film an, von dem wir vorher schon dachten, dass er eigentlich nur grottenschlecht werden könnte. Womit wir denn auch völlig richtig lagen. Er hat die Erwartungen sogar bei weitem übertroffen, er war noch voller von billigen Witzen und konstruierten Problemen, als weiland die Serie!
Der Film bot jedenfalls eine tolle Gelegenheit, den Blaue-Karte-Kinogutschein einzulösen, der schon länger hier rumlag, immerhin hätte man dann für den Schund kein Geld ausgegeben. Also nach längerer Zeit mal wieder auf ins UT-Kino!

– Dieser Plan sollte so einfach nicht aufgehen. An der Kinokasse wurden wir dann nämlich erstaunlich unhöflich aufgeklärt, dass dieser Gutschein für SATC nicht gilt. Ebensowenig wie für Indiana Jones. Aufgrund irgendwelcher Vertragsprobleme. Die den Kinokunden herzlich wenig interessieren!

Dass die Gutscheine sowieso nur Montags und Dienstags gelten, das wäre noch hinnehmbar. Dass man aber nichtmal die schlechtesten, aktuellen Blockbuster damit sehen kann, das geht nicht mehr. Was genau soll man denn eigentlich mit dem Gutschein anfangen, wenn er praktisch nie und für nichts gilt? — Da wir hier, anders als in SATC, keine fäkalischen Witze machen wollen, lassen wir die Frage unbeantwortet. — Wir haben jedenfalls für die Kinokarte bezahlt, aber dankend auf die Punkte verzichtet, die man für den Erwerb der Karte für SATC bekommen hätte (Ironie!?) und desweiteren beschlossen, in Zukunft nur noch ins Cinestar zu gehen.

Da ist das Personal freundlicher, es ist (meistens) auch billiger und wirkt alles in allem professioneller. Wieso zum Beispiel gibt es im UT-Kino seit neuestem Platzkarten, aber keine Nummern an den Reihen und Plätzen im Saal?! — Selbst das Filmhaus wirkt professioneller, wenn sie das da auch vielleicht nur ungern hören, es könnte den alternativen Charme ruinieren.

Fazit: wenn man als Unternehmen bei solchen Bonusprogrammen teilnimmt, sollte man es ernsthaft machen, oder besser sein lassen. Das wirkt sonst eher kontraproduktiv…

Bahnbrechend! (ii.)

Aus aktuellem Anlass mit einer Sommerausgabe.

Der Anlass im Speziellen: Aus Baden-Baden ins Saarland mit einer (ohne Bahncard) €43,00 teuren Fahrkarte, das sind fast neunzig Mark! (Produktklasse A, man sollte meinen, dass das einen gewissen Basiskomfort mit sich bringt.)

Jedenfalls begann die Freude bereits in Baden-Baden am Bahnhof mit dem netten Hinweis, dass wiedermal statt dem ICE nach Hamburg ein “Ersatz-IC” verkehrt. Selbstverständlich ohne irgendwelche Begründung, wieso einem dieser umgespritzte Interregio schon wieder zugemutet wird. Sind der Bahn die ICEs ausgegangen?! — Und wenn ja, könnte man dann nicht vielleicht einen Zug auftreiben, der klimatisiert ist? In diesen alten Rumpelkisten bleibt einem eigentlich nur die Wahl zwischen Schwitzen wie ein Schwein oder sich den Tod holen, wegen geöffneter Fenster bei 200km/h. Wir meinen: das ist nicht was wir unter komfortablem, zeitgemäßem Reisen verstehen.

Zum Umsteigen in Mannheim brüllt es einem direkt entgegen, dass der ICE nach Paris 20 Minuten später ankommen wird. Dies soll hier nicht Gegenstand sein, gewisse Verspätungen sind zu tolerieren, außerdem sollte sich herausstellen, dass die 20 Minuten eine Art Gnadenfrist waren, vor dem, was da noch kommen sollte.

Im ICE nach Paris funktionierte die Klimatisierung nämlich auch nicht! Das ist ja aber auch nur eine Nebenstrecke, die medial fast völlig geräuschlos eröffnet wurde und die weit entfernt von sowas wie einem Prestige-Projekt ist, bei dem man mal davon ausgehen könnte, dass vor dem Sommereinbruch überprüft wird, ob die verdammte Klimaanlage funktioniert! Man ist ja doch jedes Jahr aufs neue davon überascht, dass es zur Mitte des Jahres draußen so unangenehm heiß wird…

In besagtem ICE war es denn auch eigentlich noch wesentlich unangenehmer, als im Interregio. Und es war noch nichtmal besonders heiß (draußen!), immerhin ist noch nicht Hochsommer.

Den Gedanken, dass evtl statt der nervigen “Will-jemand-n-Kaffee”-Tante jemand vorbeikommt und gratis Erfrischungsgetränke verteilt haben wir dann auch direkt als wir ihn hatten wieder verworfen. Es kam selbstverständlich nichtmal ein Schaffner. (Eigentlich gut zu wissen, Züge in denen es schweineheiß ist oder die mehr als 45 Minuten Verspätung haben sind eine echt günstige Möglichkeit kostenlos durch Deutschland zu fahren… Wenn man sich das antun möchte.) Von der Temperatur mal abgesehen, funktioniert eigentlich die Lüftung noch, in dem Fall, dass die Temperatur nicht mehr geregelt wird? Mit der Zeit stellte sich dann nämlich doch ein leichtes Erstickungsgefühl ein. Wenn ein Zug so voll ist, wie der ICE nach Paris, dann atmen immerhin recht viele andere Leute einem den kostbaren Sauerstoff weg. Vielleicht wäre eine Sauerstoffflasche mitzuführen.

Wenn man jetzt aber denkt, dass nicht-klimatisierte Züge im Sommer das schlimmste sind, was einem passieren kann, dann irrt man sich. Die Zügen, in denen die Klimaanlage funktioniert, sind dann gerne mal so dermaßen runtergekühlt, dass man ohne Jacke und Schal ziemlich aufgeschmissen ist und sich auf zwei Wochen mit Halsschmerzen und Husten freuen kann. Abgesehen davon, dass man den totalen Hitzeschock bekommt, wenn man auf solch einem Zug wieder aussteigt.

Wir können also mit folgenden Sommerreisetipps schließen: Jacke und Schal mitnehmen, oder idealerweise eine komplette Wintergarderobe zum umziehen. Wasser oder ähnliches zur Erfrischung müssen auch sein. Aber das sicherste, um im Sommer komfortabel Bahn zu fahren: Einfach das Auto nehmen!

Schwan ‘09!

Wie der Titel schon durchschimmern lässt: Wir freuen uns sehr darüber, dass sich die SPD dann doch dazu durchgerungen hat, eine eigene Kandidatin für die Präsidentenwahl aufzustellen. Soviel sozialdemokratisches Selbstbewusstsein überrascht in diesen Zeiten…

Wir, die wir uns schon seit dem Amtsantritt Köhlers über Köhler aufregen, würden zwar auch sonst jeden nehmen, aber Gesine Schwan besticht auch noch durch eigentlich alles, was ein Bundespräsident mitbringen sollte: Intelligenz, Eloquenz und man nimmt ihr die Rolle der überparteilichen Identifikationsfigur viel mehr ab, als allen anderen Kandidaten vor ihr.

Und wenn wir mal ehrlich sind: Kann Köhler reden? Wir meinen nein. Hat er sich bis dato mit irgendwelchen wirklich bahnbrechenden Äußerungen zur Zukunft, oder auch nur dem Zustand dieser Republik geäußert? Wir erinnern uns nicht. Im Gegensatz zu Prof. Schwan, die schon auf der Pressekonferenz zur Bekanntgabe ihrer Kandidatur zehnmal präsidialer wirkte, als Köhler in allen seinen Weihnachtsansprachen zusammen. Und schließlich: Identifizieren wir uns mit Köhler? Fühlen wir uns wirklich von ihm in irgendeiner Weise repräsentiert? Wirkt er wenigstens sympatisch? — Die Umfragewerte würden ein klares “ja!” zur Antwort nahelegen. Wir können das nicht ganz nachvollziehen. Wir würden denn auch alle drei Fragen mit einem genervten “nein!?!” beantworten. In Sachen Charisma und Sympathie ist er fast sowas wie die No Angels unter den Bundespräsidenten!

Unsere Abneigung geht soweit, dass wir letzte Weihnachten völlig auf seine Ansprache verzichtet haben und stattdessen lieber die des Großherzogs von Luxemburg gesehen haben. Das hatte Stil, das hatte Niveau, was er sagte war sogar relativ sinnvoll. Und das obwohl Grand-Duc Henri nie von irgendwelchen Bundesversammlungen gewählt wurde!

Wir hoffen jedenfalls, dass die seit langem beste Alternative zur parlamentarischen Erbmonarchie in Person von Frau Prof. Schwan genutzt wird. Immerhin dürfte das noch wahrscheinlicher sein, als dass irgendwer spontan auf die Idee kommt, das Amt des Bundespräsidenten im Zuge einer Restauration abzuschaffen. Schade eigentlich… ;-)

Grand-Prix Review

Es muss leider sein, ein Kommentar zum diesjährigen Eurovision Song Contest. (Heißt der eigentlich auch offiziell nicht mehr Grand-Prix d’Eurovision de la Chanson? Das war stilvoller…)

Wir haben ihn jedenfalls auch dieses Jahr wieder gesehen, inklusive der Vorberichterstattung und der After-Show-Party aus Hamburg. Wir haben sogar Thomas Hermanns ertragen. Allerdings musste auch dieses Jahr wieder eine Flasche Rotwein dran glauben, damit das ganze irgendwie erträglich wird. Wer möchte schon nüchtern das Rumgesinge von irgendwelchen Sängerinnen die den Vorentscheid schon nicht bestanden haben ertragen, oder sich das persönliche Eurovision-Best-off von Nicole antun?

Eigentlich war es ein Wunder, dass in der Weinflasche noch was drin war, als dann endlich der Hauptteil des Abends begann, übertragen aus dem reizenden Belgrad. Das letzte mal, dass wir uns an Belgrad in der Prime-Time erinnern, war ca. vor zehn Jahren, als wir Bomben drauf geschmissen haben. Dafür sieht es da erstaunlich schick aus! Und da ja leider das Kosovo nicht mitgemacht hat, war der Abend irgendwie politisch gesehen völlig langweilig. Aber Politik ist ja auch nicht Kern der Veranstaltung.

Kern der Veranstaltung war doch sein Land möglichst bis auf die Knochen zu blamieren und dafür von Nachbarländern, die einen trotzdem mögen, Punkte zu bekommen. So gesehen hat Russland aber mal sowas von verdient gewonnen! Ein schmalziger Kuschelrocker mit offenem Hemd und ohne Schuhe (armes Land!) umkreist von einem einfach nur unsagbar hässlichen Eiskunstläufer, der krampfhaft versucht grazil zu wirken, was aber dank seiner Knollennase total schief geht. Dazu im Hintergrund eine teure Geige aus dem 16. Jahrhundert, die eigentlich auch völlig überflüssig war und dann auch noch ein englischer Liedtext, bei dem man sich wegen des starken Akzents ständig fragt, ob das noch Englisch ist, oder ob er spontan ins Russische gewechselt hat. Alles in allem eine große Leistung, unser bisheriges Russlandklischee (Vodka, gelenkte Demokratie, Atomsprengköpfe) ist um einige Facetten reicher geworden!

Aber auch ganz weit vorne mit dabei: Frankreich! Die ehemalige Grande Nation wartete bis dato immer mit relativ erträglichen, auf französisch gesungenen Chansons oder ähnlichem auf. Jedenfalls konnte man sich immer drauf freuen mal zur Abwechslung wieder einige Wortfetzen zu verstehen. Nicht so dieses Jahr. Selbst Frankreich meint neuerdings auf Englisch singen zu müssen. Ein Skandal, die französische Regierung hat völlig zu Recht protestiert. Schon alleine deswegen weil der Sänger eigentlich kein Englisch konnte! Jedenfalls war es fast noch schwieriger den englischen Text zu verstehen, als in den Jahren zuvor den in Französisch — und bei uns nicht-wirklich frankophonen England-Liebhabern will das was heißen!

England ignorieren wir hier übrigens einfach mal. Lustig war nur, dass der irgendwie generell etwas geschmacksverirrte Kommentator ernsthaft meinte, das wäre ein Titel mit reellen Siegchancen! (Es kommt einem so lächerlich vor, dass man sich fragt ob er das wirklich gesagt hat, oder ob wir uns das einbilden; hat es wer aufgezeichnet?!)

Jedenfalls kommen wir schließlich, es lässt sich nicht vermeiden, zu Deutschland. Jeher ein Top-Favorit bei Grand-Prix. Zunächstmal: Wir fanden die No Angels schon immer richtig schlecht. Platte Songs, unsympatische Figuren, Casting-Band eben. Wir haben uns auch die ganze Zeit gefragt, ob es denn in diesem ganzen Land wirklich sonst niemanden gegeben hätte, den man an ihrer statt hätte da hin schicken können. Wir haben uns aber auch die ganze Zeit darauf gefreut, dass Deutschland mal wieder in Bausch und Bogen untergeht. Und wenn wir die 12 Punkte auch Bulgarien abziehen, die eigentlich nur noch peinlich waren, dann haben wir das auch dieses Jahr mal wieder geschafft!

Eine mögliche Erklärung wäre evtl, dass sie so unglaublich farblos und langweilig sind. Musikalisch gesehen würden wir mal behaupten wollen, lagen sie sogar noch im guten Mittelfeld, aber es erinnert sich niemand an sie. Aber nach Größen wir Roger Cicero und Gracia (erinnert sich noch jemand?) ist man öde Auftritte aus Deutschland ja gewöhnt. Selbst Gildo Horn war zehnmal cooler als die oben genannten Künstler zusammen!

Es gibt also zwei Möglichkeiten mal wieder den Grand-Prix zu gewinnen: Wir könnten einerseits einen 43 Mann starken Chor schicken, der aus jedem der Teilnehmerländer ein Mitgleid enthält um den Lucy-Effekt zu nutzen, oder andererseits mal wieder einen wirklich guten Interpreten aussuchen, der sowas wie einen Wiedererkennungswert hat und nicht irgendeine Castingband die irgendein Lied singt und eigentlich auch keinerlei Bezüge zu dem Land hat, für das sie antritt. Oder fällt irgendwem eine Band oder ein Interpret ein, der noch austauschbarer und farbloser ist als die No Angels?

Wir freuen uns jedenfalls aufs nächste Jahr in Moskau. Wann war Moskau noch gleich das letzte mal in den Schlagzeilen? Journalistenmorde? Kalter-Kriegs-mäßige Drohgebärden wegen irgendwelcher Raketenschilde in Polen? Zugedrehte Gashähne wenns nicht nach dem Kreml geht? — Hach wird das schön, Der Grand-Prix in Moskau, die Olympiade in Peking und die WM in Südafrika. Irgendwie kann man die dritte Welt richtig gern haben, wenn man sie erstmal kennengelernt hat!

Myanmar/Burma

Hatten wir da eben ein déjà-vu? Das Gerede kennen wir doch irgendwoher…

Also die allgemeine Überraschtheit darüber, dass Myanmar (”das-ehemalige-Burma”, immer dazu sagen, als ob jemand der nicht weiß was Myanmar ist, sich an Burma erinnern würde) eine fiese Militärdiktatur ist, die westliche Katastrophenhilfe für ihre eigenen Zwecke und/oder zur Propaganda missbraucht, oder ihre Bevölkerung am besten direkt ohne Hilfe ihrem Schicksal überlässt und ihr beim Verrecken wegen verseuchten Trinkwassers zusieht. (Das ist immerhin weniger aufwendig, zumal ein toter Myanmarer (?) keinen Aufstand mehr machen kann!)

Jedenfalls stellt sich immer wieder die Frage, was unsere geliebten Journalisten eigentlich für ein lustiges Weltbild haben — Und schon fällt uns doch auch schon wieder ein, an was und das ganze erinnerte: Nämlich an die allgemeine Überraschung darüber, dass es da ein Land namens Tibet gibt, was sich als Teil Chinas nur sehr bedingt wohl fühlt. Vielleicht liegt es das daran, dass die Meinungsmacher von heute damals vollkommen stoned in einer Ecke lagen, als Tibet chinesisch, und Burma eine Militärdiktatur wurde.

Jedenfalls sind wir alle gespannt auf die nächste Naturkatastrophe in beispielsweise Nordkorea. Vielleicht hängt dann an den Fahnenmasten in den liberalen Viertel unserer Städte neben der tibetischen und burmesischen auch noch die nord-koreanische Flagge. Das konnte ja auch niemand ahnen, dass das arme-arme Volk da auch keine Demokratie hat. Und das auch schon seit mehr als nem halben Jahrhundert!?

Um vielleicht derartigen Überraschungen vorzubeugen, kann man ja mal einen gewagten Blick hierauf riskieren. Obwohl es sich um eine amerikanische Organisation zu handeln scheint. Und es weiß ja wohl jeder, dass die USA in Sachen Außenpolitik viel weniger Ahung haben, als wir Europäer. Wir sind ja auch schon lange nicht mehr so doof versuchen anderen Ländern die Freiheit aufzuzwingen. Wir reagieren nur jedesmal bestürzt und regen uns künstlich auf, wenn wir wiedermal einen undemokratischen Staat irgendwo ausfindig gemacht haben, demonstrieren ein bisschen und verdrängen das Ganze dann wieder. Das würde die SPD pragmatische Außenpolitik nennen. Aber wer bitte nimmt das ernst?

Bahnbrechend! (i.)

Bahnbrechend, eine schöne Überschrift, die zwei Dinge miteinander verknüpft, die einfach zusammen gehören: die Bahn und Brechen! Der Start dieser Abteilung mit Episoden aus dem völlig wahnsinnigen Bahnfahrer-Alltag, der eine echte Zumutung ist, sollte schon viel früher sein. Leider ist es uns aber bis dato nicht gelungen, von der Einleitung sinnvoll zu einem ersten Thema überzuleiten, daher nunmehr einige Kommentare zur geplanten Bahnprivatisierung. Vielleicht klappt das ja…

Lange wird darüber schon geredet, die berühmte Teilprivatisierung der noch-staatlichen Bahn-AG. Kurt Beck will 24,9% verkaufen, die CDU 49%, die Linke selbstverständlich gar nichts. Und könnten wir es ihr verdenken? — Ganz persönlich habe ich das von den beiden großen Parteien und H. Mehdorn ins Feld geführte Hauptrgument nicht ganz begriffen: Wir verkaufen die Bahn teilweise für mehrer Milliarden an einen Investor. Dieser Investor wartet nur so darauf, Milliarden in das Unternehmen zu stecken. Dann könnte die Bahn ihre marode Infrastruktur sanieren. Dies würde dazu führen, dass die Bahn so unglaublich attraktiv wird, dass die Fahrgast- und Frachtgutzahlen explodieren und sie somit super vorbereitet ist für die Zukunft ist, wie man es nur sein kann. Und da der Umsatz und Gewinn so stark ansteigt, lohnt sich die Inverstition für den Investor nach kürzester Zeit. — Wenn das alles so stimmen würde, wieso investiert der Bund dann die €5-10 Milliarden nicht selbst?

Man muss kein Wirtschaftswissenschaftler zu sein, um zu erkennen, dass eine auch nur teilprivatisierte Bahn definitiv nicht zu einer irgendwie gearteten Verbesserung in der Qualität führen wird. Dass ein Investor von seiner Investition irgendwann (d.h. möglichst bald) wieder was zurück bekommen möchte, führt doch vielmehr dazu, dass ein großer Teil des Gewinns der Bahn nicht wie im Moment zurück an den Staat als Besitzer fließt, sondern dem Staat entzogen wird und somit eher nicht wieder zum Erhalt der Bahn-Infrastruktur genutzt wird. Langfristig gesehen, muss dieser Verkauf der Bahn-Anteile also zum Verlustgeschäft für den Bund werden. Immerhin ist ja der Unterhalt für das Netz genau das, was das Geld auffrisst und genau dieses Netz soll der Staat ja netterweise behalten. Aber wie lange man beim Unterhalt dafür mit €5 Milliarden auskommt, das hat unser sagenhafter Herr Tiefensee sicher schon ausgerechnet (es dürfte länger sein, als seine Amtszeit vorraussichtlich noch dauern wird und damit ist ja alles in Butter).

Trotz allem neige ich mittlerweile wirklich dazu, eine Bahnprivatisierung zu befürworten. Allerdings funktioniert das nur dann, wenn man der DB ihr quasi-Monopol endlich entzieht. Seit die Telekom privatisiert ist, gibt es Beispielsweise Kabel Deutschland. Wesentlich billiger und zehnmal bessere Leistungen. Vielleicht fahren wir ja dann bald in Deutschland auch mit der SNCF, oder der SBB. Zumal letztere seit längerer Zeit am Bodensee in Deutschland einige Nahverkehrslinien betreibt. Man darf davon ausgehen, dass das nichts mit Nächstliebe zu tun hat, sondern sie einfach besser ist, als die DB. Es lässt sich offenbar auch mit Regionalbahnen Geld scheffeln. Natürlich nur dann, wenn die Züge entsprechend aussehen, regelmäßig und oft genug fahren und man an den Haltepunkten nicht das typisch deutsche Provinzbahnhofflair zu ertragen hat: Glasscherben, Pisse und Hakenkreuze — Dazu demnächst mehr!

Jetzt mit Link-Sammlung!

Hallo, liebe Nation!

Nach einigen Nachforschungen auf dieser tollen Blog-hosting-Seite haben wir ein weiterens tolles Feature entdeckt, nämlich diese tolle Sidebar (von hier aus in östlicher Richtung) mit wahnsinnig spannenden Links zum draufklicken!

Die geneigte Leserschaft wird hier interessante Fernsehsendungen und -Sender finden, lustige Videos, lesenwerte Artikel — eben einfach alles, was sich im Netz findet und gebloggt werden muss.

Viel Spaß damit!!!

Tibet, China - Menschenrechte?

An dieser Stelle kein Beitrag darüber, wie schlimm die Zustände in Tibet wohl sind. Auch keine tibetische Flagge und “Save Tibet!”-Plakate. Das haben schon genug Leute vorher produziert.

Viel interessanter ist doch die Frage, wer eigentlich wirklich überrascht davon war, zu hören, dass Tibet seit ca. einem halben Jahrhundert chinesisch besetzt ist? Das sollte eine Komission, die China die Olympiade zuspricht gewusst haben. Genauso sollten es sämtliche Außenminister und Staatschefs gewusst haben, die sich jetzt halb empört, halb verschüchtert hinstellen und öffentlich über einen möglichen Boykott irgendwelcher Eröffnungsfeiern nachdenken. Genausowenig überrascht können die IOC-Funktionäre doch davon gewesen sein, dass China kein Minderheiten-Streichelzoo ist. Eine pseudo-kommunistische Diktatur in der Menschenrechte offensichtlich keinen Pfennig wert sind und die beispielsweise Taiwan permanent mit Krieg droht, um die “nationale Einheit” aufrecht zu erhalten, neigt vermutlich gerade bei Aufständen von separatistischen Rebellen in Tibet nicht direkt dazu, zimperlich zu sein. Man muss jedenfalls nicht besonders zynisch sein, um sich nicht zu darüber wundern, dass die Olympischen Spiele China nicht über Nacht in einen demokratischen Rechtsstaat verwandeln.

Worüber wundern sich dann eigentlich die Entscheidungs- und Würdenträger des Westens und regen sich so herrlich künstlich auf? Es gibt zwei Möglichkeiten: Sie könnten wirklich an das Gerede geglaubt haben, dass die vielen westlichen Athleten, Gäste und Journalisten, die die Spiele mit sich bringen, das Land nachhaltig verändern. Dass diese Annahme nicht richtig war, zeigt sich ja mittlerweile schon vor dem eigentlichen Beginn der Spiele und wäre durchaus ein Grund sich nicht bestätigt und glücklich zu fühlen, als IOC-Mitglied. Da aber der sog. “Olympische Gedanke” höchstwahrscheinlich nicht viel mehr als eine schöne Floskel ist, darf diese gesammte Theorie für sehr zweifelhaft gehalten werden, immerhin hat wohl niemand der Sowjetunion 1980 mittels der Olympiade die Demokratie bringen wollen.

Viel wahrscheinlicher ist doch dann der zweite mögliche Grund für die Aufregung, nämlich, dass es einfach häßlich ist, Olympia in einem so offensichtlich unterdrückerischen Land zu spielen und der kritischen westlichen Bevölkerung erklären zu müssen, wie das mit besagtem “Olympischen Gedanken” vereinbar ist. Das bedeutet dann eigentlich nicht mehr, als dass China es quasi selber versaut hat, insofern nämlich, als dass es seine abtrünnigen Provinzen doch bitteschön etwas subtiler unterdrücken könnte! Und wenn es schon nicht subtiler geht, dann könnte man doch wenigstens glaubhaftere Gründe finden, Menschen zu massakrieren. Es ist ja nicht so, als ob wir im Westen wirklich irgendwie bessere Menschen wären, aber wir tun wenigstens so; siehe die Begründungen für Guantánamo, Afghanistan-Krieg oder auch die Online-Durchsuchung. “Kriege gegen den Terror”, also für Sicherheit etc, stoßen subjektiv weniger sauer auf, als Kriege zur Aufrechterhaltung von “nationaler Einheit”, das klingt einfach zu faschistisch.

Ein Land das in Krisensituationen à la Tibet mit einer Ausweisung westlicher Journalisten reagiert, ist eben einfach nicht reif für Olympia. Die Bilder, die man sich selbst im Kopf zusammenbaut, sind vermutlich immer zehnmal schlimmer, als alles was in der Realität stattgefunden hat. Wir im Westen haben das schon lange gelernt, und deswegen den “embedded correspondent” erfunden und damit sogar den völkerrechtswidrigen Irakkrieg frühstücksfernsehtauglich gemacht, das muss doch mit einer kleinen Revolte in Tibet auch irgendwie möglich sein? Hoffentlich kann das IOC da beim bevorstehenden Lernprozess in Sachen demokratische Propaganda behilflich sein!

Bis die Spiele dann wirklich beginnen, sind es ja auch noch fast vier Monate. Da kann man doch sicher sein, dass bis dahin alle Wogen medial geglättet sind und wir uns alle auf schöne, friedliche Spiele freuen können (Dalai Lama auf Eröffnungsfeier wäre das mindeste!). Dann müsste nichtmal Angela Merkel irgendwas boykottieren und damit in ihrem Lieblingsfeld, der Außenpolitik, eine klare, streitbare Position einnehmen. Hach, wird das alles schön…